Sozialpsychiatrie und systemische Therapie

Systemische Therapie eignet sich nach meiner Erfahrung aus folgenden Gründen besonders für den Einsatz in sozialpsychiatrischen Zusammenhängen:

  1. Sie versteht psychische Erkrankungen als etwas, was nicht losgelöst von sozialen Beziehungen betrachtet werden kann. Sie hat mit der Sozialpsychiatrie in diesem Punkt wichtige gemeinsame Grundannahmen.
     
  2. Im sozialpsychiatrischen Arbeiten müssen fast immer Verabredungen zwischen verschiedenen Helfern und Hilfesystemen getroffen werden. Dazu müssen Helfer unterschiedlicher Berufe (Ärzte, Krankenpflegefachleute, Sozialarbeiter und -pädagogen, Heiltherapeuten, Arbeits- und Ergotherapeuten u.a.m.) und unterschiedlicher therapeutischer Schulen zusammenarbeiten. Diese Unterschiede machen eine Zusammenarbeit im Interesse des Klienten oft schwer.
     
  3. Systemische Therapie sucht weniger nach den "Ursachen" von Problemen und stellt nicht die Frage "wer Recht hat"; systemische Therapie fragt - so wie ich sie in der Tradition von Tom Anderson, Thomas Keller und Harlene Anderson verstehe - danach, wie die Zusammenarbeit bei der Suche nach Lösungen verbessert werden kann.

 

 

print